Schon als Kind habe ich gespürt, dass ich einen besonderen Ort brauche, an dem ich all meine Gefühle sortieren und loslassen kann. Worthülsen waren oft zu klein, um das auszudrücken, was in mir lebte – aber die Farben, das Malen, das Schreiben in mein Tagebuch, sie waren da. Sie haben mir schon früh geholfen, das Chaos im Inneren in Bilder zu verwandeln.
Damals wusste ich noch nicht, dass ich mir damit ein Selbstregulationstool geschaffen hatte. Heute weiß ich: genau das war meine Rettung in der Welt der Hochsensitivität. Meine Stifte, mein Papier, meine Fantasie waren mein sicherer Raum, wenn mir die Welt zu laut, zu schwer oder zu schmerzhaft wurde.
Das war meine Rettung in der Welt der Hochsensitivität
Die eigene Tankstelle für Lebensfreude
Für mich sind Kunst und kreativer Ausdruck meine Tankstelle. Hier tanke ich auf, finde wieder Freude, Leichtigkeit und einen Zugang zu mir selbst. Lebensfreude entsteht für mich nicht nur aus schönen Momenten, sondern auch aus der Fähigkeit, meine inneren Bilder und Visionen lebendig werden zu lassen.
Einfach nur zu malen, „um des Malens willen“, ist mir oft zu langweilig. Erst wenn Kunst mit meinem inneren Prozess verbunden ist, entfaltet sie ihre volle Kraft. Dann wird sie zu Medizin, zu einem Werkzeug, das Herz und Seele heilt.
Fotocredits @SabineSchulte
Gefühle sichtbar machen
Wenn ich male oder in mein Journal schreibe, darf alles da sein: Wut, Trauer, Scham, Ekel, Freude, Hoffnung. Auf dem Papier wird das Unsichtbare sichtbar – und damit auch leichter.
Ein Gefühl, das mich vorher überwältigt hat, liegt plötzlich vor mir, in Farben und Formen. Ich kann es anschauen, mit Abstand betrachten und verstehen. Das ist der Moment, in dem ich merke: Ich bin dem Gefühl nicht ausgeliefert. Ich habe einen Weg gefunden, mich selbst zu regulieren..
Ich bin dem Gefühl nicht ausgeliefert
Kunst als Reise in die eigene Geschichte
In meiner Arbeit mit Menschen erlebe ich immer wieder: die inneren Bilder sind Schlüssel. Manchmal reisen wir in eine alte Schulerfahrung, zu einem misslungenen Referat, zu Momenten von Scham oder Schmerz. Oft öffnen wir gemeinsam verschlossene Kisten, in denen Gefühle über Generationen hinweg eingesperrt wurden. Diese Kisten zu öffnen, braucht Mut – aber darin liegt auch die Kraft, das Herz wieder frei zu machen.
Kunst ist dabei wie ein Kompass: sie zeigt mir, wohin die Reise geht. Sie macht Unbewusstes sichtbar und verwandelt es in eine Ressource.
Mein Weg – vom Burnout zurück in die Freude
Es gab auch Zeiten, in denen ich meine Freude völlig verloren hatte. Ich arbeitete viel, funktionierte nur noch – bis mein Körper nicht mehr konnte. 2013 stand ich am Rand eines Burnouts. Ich wusste nicht mehr, was ich wirklich wollte.
An meinem 30. Geburtstag habe ich Bilanz gezogen und gemerkt: so wollte ich nie leben. Also bin ich gesprungen – ins Unbekannte. Ich bin nach Thailand gereist, auf der Suche nach der Freude, die ich einst kannte. Und tatsächlich: ich habe sie wiedergefunden.
Zurück in München begann ich eine kunsttherapeutische Ausbildung, machte mich selbstständig und wagte den Weg, mein Herz zum Zentrum meiner Arbeit zu machen. Und ich fing wieder an zu malen.
Ich wagte den Weg, mein Herz zum Zentrum meiner Arbeit zu machen
Heute – Kunst als Heilungsweg für viele
Heute begleite ich Menschen dabei, ihre eigenen Tankstellen für Lebensfreude zu entdecken. Mit Visionboards, emotional Art Journals oder intuitivem Malen in Retreats zeige ich Wege, wie Gefühle sichtbar werden und Heilung geschehen kann.
Ich glaube zutiefst:
>> Jeder Mensch hat eine kreative Kraft in sich.
>> Kunst ist mehr als „schön malen“ – sie ist ein Weg, die eigene Seele zu hören.
>> Kreativer Ausdruck ist Medizin.
Ich wünsche mir eine Welt, in der wir keine Angst mehr vor unseren eigenen Gefühlen haben – und in der wir den Mut finden, unsere bunte Vielfalt zu leben.
Vielleicht magst du dich fragen:
- Was ist meine Tankstelle für Lebensfreude?
- Welches kreative Ausdrucksmittel könnte mich dabei unterstützen, mich selbst zu regulieren – zu malen, zu schreiben, zu tanzen, zu gestalten?
Denn eines habe ich auf meinem Weg gelernt: Heilung geschieht, wenn wir uns erlauben, all das sichtbar zu machen, was in uns lebt.
Heilung geschieht, wenn wir uns erlauben, all das sichtbar zu machen, was in uns lebt.